Auf ins Pippi-Langstrumpf-Land

 
 
 

von Roxette vom Steinernen Tisch


In diesem Sommer waren wir in Schweden. Für Merlin und mich der erste Urlaub im Ausland. Da oben im hohen Norden ist es genial. So viel Wasser dort, die Ostsee und dazu die zahlreichen Seen. Ein Eldorado für eine begeisterte Schwimmerin wie mich. Und auch der Merlin kam hier richtig auf den Geschmack.

Soweit ich das mitbekommen habe, waren unsere Menschen früher häufiger in Schweden. Da hatten sie allerdings noch keine Hunde. Als dann wir Schäfis in ihr Leben traten, war es wohl nicht so einfach den Hund dorthin mitzunehmen. Das hat sich jetzt aber geändert. Für uns braucht es nur noch den Heimtierausweis und frische Impfungen. Somit stand einem Schwedenurlaub nichts mehr im Wege.

Ende Juli ging es los. Die Fahrt durch Deutschland bis hoch nach Fehmarn zog sich, aber Merlin und ich sind gute Autofahrer. Außerdem ging es früh los und anständige Pausen waren auch dabei. Am späten Nachmittag standen wir schließlich vor einem Hotel in Großenbrode, wo wir einen Zwischenstopp einlegten. Die Leute vom Hotel waren supernett. Für uns Schäfis gab es Leckerli und frisches Wasser, für die Menschen einen Begrüßungstrunk. Nach etwas Chillen ging es sogar noch an den Strand, wo Merlin und ich toben konnten. Na, der Urlaub fing ja vielversprechend an.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf. Zunächst ging es auf eine Fähre, wo wir Hunde im Auto blieben. Dann quer durch Dänemark und über die Öresundbrücke nach Schweden. Die dänischen Grenzer kontrollierten uns sehr genau und wollten sogar die Heimtierausweise sehen. Die schwedischen Zöllner gingen das wesentlich lockerer an. Für unsere Ausweise interessierten sie sich überhaupt nicht und wir Hunde mussten auch nicht beim Zoll angemeldet werden. Ein freundliches «Hey då» und schon konnten wir weiterfahren.

Gegen Abend waren wir endlich am Ziel. Wir fuhren durch ein Städtchen namens Västervik und erreichten bald darauf eine kleine Ferienhaussiedlung. Erleichtert sprangen Merlin und ich aus dem Auto, um das Urlaubsdomizil zu inspizieren. Das Ferienhaus war ganz nach unserem Geschmack. Es hatte ein großes Schlafzimmer, wo wir Hunde ein kuschliges Plätzchen bei finden würden, die Holzterrasse war riesig und ein großer Garten war auch dabei. Zur Freude unserer Menschen war das Grundstück komplett eingezäunt, sodass unser Merlin nicht auf dumme Gedanken kommen konnte.

Am nächsten Tag machten wir uns als Erstes auf die Suche nach einem Badeplatz. Der war gar nicht weit weg und der Spaß konnte beginnen. Herrchen warf mein Balli immer wieder weit hinaus in die Ostsee, was für mich als versierte Schwimmerin natürlich gar kein Problem war. Merlin frönte derweil mit Frauchen seinem Lieblingssport, dem «Wasserspritzeln». Doch dann kam bei ihm auf einmal der Ehrgeiz durch und er jagte ebenfalls dem Balli hinterher. Gegen diesen jungen kräftigen Kerl hatte ich natürlich keine Chance und so schnappte er mir jedesmal das Balli vor der Nase weg. Alter Angeber!

Nachdem wir uns am Wasser ausgepowert hatten, stapften wir durch ein kleines Wäldchen zu einem Hügel, den unsere Menschen «Hausberg» tauften und den wir noch öfters besuchen sollten. Auf dem Heimweg gelang es mir, unsere Menschen mal wieder so richtig zu verblüffen, als ich den schmalen Waldpfad zurück zum Haus, der ziemlich versteckt zwischen Bäumen lag, auf Anhieb wiederfand. Aber hey, sowas ist keine echte Herausforderung für meinem genialen Orientierungssinn :-)

Neben den tollen Aufenthalten am Wasser sind wir auch viel gewandert. Unser Menschen waren dabei immer leicht genervt, da sie sich unter Wandern wohl etwas anderes vorstellten als wir Schäfis. Den ersten Kilometer ging es kaum vorwärts, da Merlin und ich an jeder Ecke schnüffeln mussten. Danach stießen wir meist bald auf einen See und ich rannte sofort zum Wasser. Dann war erst einmal Schwimmen, Balli holen und Buddeln angesagt, bevor es endlich weiterging.

Einmal sind wir im Naturreservat Segersgärde auf den Fruberget geklettert. Zunächst ging es über schmale Waldpfade, denen nicht immer leicht zu folgen war, nach oben. Dann mussten wir über große Felsplatten laufen, bis wir endlich den Gipfel erreichten (na ja, besonders hoch war der Berg ja nicht). Ich gab wie immer die Leaderin, lief voraus und das Rudel brav hinterher. Dabei ging nicht alles glatt und unsere Menschen fluchten bisweilen, weil ich sie mehrmals vom richtigen Weg abbrachte und sie dann plötzlich vor einem unüberwindbaren Hindernis standen. Aber hey, keiner hatte mir gesagt, dass man auf die orangen Punkte, die an Bäumen und Steinen aufgemalt waren, achtgeben muss.

Ein anderer Ausflug ging komplett schief, als Merlin und ich auf halber Strecke begeistert in einen Graben sprangen. Blöderweise war der voller Gülle. Ich schaffte es gerade so, allein wieder herauszukommen. Merlin gelang das nicht und Frauchen musste ihn mühsam herausziehen. Danach stanken wir alle drei fürchterlich und das war es dann mit der Wanderung und der Stimmung für diesen Tag. Zum Glück fingen wir uns keinen Dünnpfiff ein, sonst hätten wir uns einiges anhören dürfen.

Am Ende der Woche musste Frauchen ins Krankenhaus. Sie war beim Herumtoben auf einem Schärenfelsen hingefallen und hatte sich den kleinen Finger verrenkt. Die Behandlung dauerte den ganzen Nachmittag. Derweil saßen wir Hunde und Herrchen auf einer Bank vor einer Kirche, gleich gegenüber dem Krankenhaus. Dort wurden viele Leute auf uns aufmerksam und Herrchen wurde des Öfteren angesprochen. Später meinte er, es hätte sich gelohnt, einen Hut hinzulegen. Mit den «Einnahmen» wäre sicher ein gutes Abendessen herausgesprungen. Würstchen kaufen wäre aus meiner Sicht natürlich auch eine überlegenswerte Alternative gewesen.

In den zwei Wochen in Västervik haben wir viel unternommen. Beim Stadtbummel hatten Hund und Mensch etwas unterschiedliche Vorstellungen von sehens- bzw. schüffelswerten Plätzen. Toll war der Ausflug nach Loftarhammar. Während der Wanderung überraschte uns ein Regenschauer und wir suchten Schutz an einigen Bootshäusern. Nachdem es wieder aufgehört hatte, tollten Merlin und ich wie die Verrückten herum. Rein ins Wasser, dann auf den Bootsstegen herumgesaust und wieder zurück ins kühle Nass. Anschließend ging es noch zu den Schären bei Flatvarp. Einfach genial, auf den Felsen herumzuturnen und jede Wasserpfütze zu erkunden. Aber auch die Kultur kam nicht zu kurz. In Vimmerby besuchten wir das Elternhaus von Astrid Lindgren. Wir durften mit, denn in den Gärten sind Hunde erlaubt. Die Schweden haben halt ein Herz für uns Vierbeiner.

Nach zwei wunderschönen Wochen war Packen angesagt. Zur großen Freude von uns Hunden ging es aber nicht nach Hause, sondern ein Stückchen weiter nach Norden, nach Nyköping in der Nähe von Stockholm. In der kleinen Ferienhaussiedlung Fredön bezogen wir unser neues Urlaubsdomizil. Und das war der Hammer! Das Ferienhaus lag direkt am Wasser, am Marsviken, einem Seitenarm der Ostsee. Das absolute Highlight für den Merlin-Bub war der kleine Sandstrand, wo er seinen liebsten Hobbys, dem Sandfangen und Buddeln, frönen konnte. Die kommende Woche blieben wir die meiste Zeit am Ferienhaus, denn hier war einfach alles geboten. Wir konnten schwimmen, auf dem großen Grundstück herumtollen und im Sand buddeln.

Zur großen Freude unserer Menschen wurde Merlin in Fredön zum begeisterten Schwimmer. Anfangs musste ihn Frauchen noch schwer überreden, ins Wasser zu gehen und auf den ersten Runden japste er schwer nach Luft, sodass einem angst und bange wurde. Aber bald hatte er den Bogen raus und es machte ihm richtig Spaß. Nach unserem täglichen Frühsport, Sandfangen für den Bub und Balli-aus-dem-Wasser-holen für mich, sauste er immer zum großen Bootssteg, hüpfte ins Wasser und schwamm seine Runden im Marsviken. Manchmal war die Strömung ziemlich stark, womit Merlin anfangs nicht gut klar kam. Zunächst ging alles ganz leicht und der Bub musste sich kaum anstrengen. Als er dann hinter dem Bootssteg drehte, musste er plötzlich gegen die Strömung anschwimmen. Dann guckte er im ersten Moment ganz irritiert in unsere Richtung, ehe er mit kräftigen Zügen wieder von der Stelle kam. Ich finde es ja schon etwas seltsam, dass man einfach so ins Wasser steigt und ohne Grund seine Runden dreht. Ich brauche da schon mein Balli, dem ich hinterherjagen kann. Aber jedem das Seine …

Da es uns gut ging, waren auch unseren Menschen gut drauf. Die hatten sogar ein Ruderboot, um auf die Ostsee hinauszuschippern. Anfangs versuchten sie mehrfach, einen von uns ins Boot zu locken. Aber da streikten wir. In so ein schaukeliges Etwas reinhüpfen? Definitiv nicht mit uns. Als unser Frauchen das erste Mal hinausruderte, schoben wir schon etwas Panik. Wir waren ganz aufgeregt und Merlin versuchte sogar, dem Boot hinterher zu schwimmen. Das wiederum versetzte unsere Menschen kurzzeitig in helle Aufregung. Bald schnallten wir aber, dass sie immer wieder zurückkamen. Trotzdem hielten wir Schäfis am Bootssteg Wache, wenn einer von ihnen mit dem Boot draußen war. Man weiß ja schließlich nie …

Mitte der Woche besuchten wir Nyköping. Wir waren in der Innenstadt, am Hafen und an einem alten Gemäuer, das wohl Nyköpinghus heißt. Wir Schäfis waren weniger an den Sehenswürdigkeiten interessiert als an den vielen spannenden Gerüchen und Hundebegegnungen. Abends waren wir komplett platt vom anstrengenden «Sightseeing». Ein paar Tage später ging es ins Naturreservat Stendörren. Unsere Menschen wollten dort auf der Schäre Äspskär wandern. Blöd nur für den Merlin, dass wir dazu über eine Hängebrücke mussten, die mit Holzbohlen belegt war und wo man beim Blick nach unten das Wasser durchschimmern sah. Unsere Menschen hatten die größte Mühe, den Bub über die Brücke zu lotsen. Er robbte gefühlt im Zeitlupentempo über dieses für ihn so schreckliche Etwas. Ich konnte dieses Verhalten so gar nicht nachvollziehen und sauste währenddessen mehrfach über die Hängebrücke. Für den Merlin kam es dann doppelt bitter, da wir auf dem Rückweg wieder über diese Brücke mussten. Aber er überlebte es, wenn auch nur knapp.

Nach drei langen und schönen Wochen war der Urlaub schließlich vorbei. Zuhause dachten wir lange an die beiden tollen Ferienhäuser, das viele Wasser und die wunderschönen Landschaften zurück. Aber es sollte nicht der letzte Schwedenurlaub gewesen sein.


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