Der Dosenöffner
von Shino vom Thermodos
Im Moment sprechen meine Menschen wieder viel von meinem Vorgänger, dem Asco. Asco war auch ein Schäfi und für meine Menschen etwas ganz Besonderes. Durch ihn sind sie buchstäblich auf den Hund gekommen.
Asco hatte eine Schwester, die Amber hieß. Mit ihr lebte er viele Jahre am Rande einer großen Stadt auf einem verwilderten Grundstück. Als Behausung hatten die beiden nur einen alten rostigen Container mit spartanischer Ausstattung. Im Sommer mag das ja noch halbwegs okay gewesen sein: Das Gelände war groß und es gab tagsüber viel zu beobachten. Aber die Winter in dem feuchten, zugigen und kalten Container waren hart. In den Nächten waren die beiden Hunde immer eingesperrt, da sich die Nachbarn über das Bellen beschwert hatten. Bei Gewitter und an Silvester war das bestimmt schrecklich für die beiden.
So vergingen für Asco und Amber die Jahre. Eines Tages kam Amber von alleine nicht mehr auf die Beine. Der Besitzer hat sich das ein paar Tage angeschaut und sie dann kurzerhand eingeschläfert. Nun war Asco ganz allein. Zum Glück hatte er Menschenfreunde, die ihn regelmäßig besuchten und ihm meist etwas Leckeres mitbrachten.
Im Sommer 2006, es lief gerade die Fußball-WM in Deutschland, haben sich mein Frauchen und Asco unter dramatischen Umständen kennengelernt. Da war Asco schon elf Jahre alt. Von da an sind meine Menschen oft mit ihm spazieren gegangen, haben sich um Futter und Wasser gekümmert und den Container winterfest gemacht. An Weihnachten durfte er sogar für ein paar Tage mit nach Hause, wurde dann aber wieder auf seinem Grundstück abgestellt.
Das ging so weiter bis zum März 2007. Da wurde auf seinem Grundstück Rattengift ausgelegt und mein Frauchen entschied kurzerhand, dass der Asco hier nicht länger bleiben konnte. So zog er schließlich unverhofft bei meinen Menschen ein. Endlich ein Zuhause, das Asco von Anfang an in vollen Zügen genoss. Am ersten Abend sollte er nicht im Schlafzimmer bleiben. Mehrere Male wurde er ins Wohnzimmer verfrachtet, doch Asco blieb hartnäckig und erkämpfte sich dann doch sein Plätzchen im Schlafzimmer seiner Menschen.
Asco war happy mit seinem Rudel. Es gab viele Spaziergänge, kuschelige Hundeplätze, leckeres Essen und viele Knuddelrunden. Im Frühjahr ging es dann in den Urlaub, wo Asco wohl zum ersten Mal das Meer sah. Er war eine richtige Wasserratte und vom Schwimmen und Buddeln im Sand ließ er erst ab, als er total erschöpft war. Auch vom Stöckchen-Holen im See konnte er nie genug bekommen. Asco war, so viel ich aus den Erzählungen meiner Menschen mitbekommen habe, ein pflegeleichter Schäfi, der meinen Menschen uneingeschränkt vertraute. Nur andere Hunde waren für ihn ein rotes Tuch. Das hat sich erst gelegt, als er schon sehr alt war. Manchmal konnte Asco auch ein Schlingel sein. Einmal hat er eine ganzes Stück Butter vom Abendbrot-Tisch stibitzt, als Herrchen mal kurz das Zimmer verließ. Als Herrchen den Diebstahl bemerkte und Asco ungläubig ansah, hat dieser seine Unschuldsmiene aufgesetzt und in aller Ruhe das unverhoffte Extra-Abendessen verdaut.
Die Zeit verging und langsam wurde es mit dem Laufen immer schlechter. Die Hinterbeine krachten weg und Asco saß dann unbeholfen auf seinem Hosenboden. Trotzdem kämpfte er sich jeden Tag tapfer die vielen Stufen zur Wohnung hinauf, mit tatkräftiger Unterstützung von Frauchen. Er war wirklich ein zäher Kerl. Im Sommer 2009 konnte er dann aber kaum noch Laufen; das Zusammensein mit seinen Menschen und die Knuddel-Einheiten genoss er aber nach wie vor.
Im Sommer 2010 war er ein letztes Mal mit im Urlaub. Danach ging es ihm immer schlechter und in der Nacht zum 27. Oktober mussten meine Menschen ihn schließlich gehen lassen. Da war er fast 16 Jahre alt. Er ist ganz friedlich in den Armen seiner Menschen eingeschlafen und dann über die Regenbogenbrücke gegangen.
Ich glaube, meine Menschen werden diesen Hund nie vergessen. Nur ein paar Tage nach seinem Tod bin ich aufgetaucht und meine Menschen haben sich sofort in mich verliebt. Aber das ist eine andere Geschichte …