Endlich wieder Schweden
Njoy und Carlos im Naturreservat Stilleryd: Gleich kommt der Regen :-(
von Njoy von den Querulanten
Die Urlaube in Schweden waren für uns Hunde immer genial. Wasser war nie weit entfernt und auf den großen Grundstücken am Ferienhaus konnte man prima Spielen und Toben. Im Sommer 2023 sollte es endlich wieder in den hohen Norden gehen. Soweit ich mitbekam, nach Blekinge Län. Nun, das kannte ich noch nicht, obwohl ich schon zweimal in Schweden war.
Mitte August ging es los. Die Fahrt zu unserem ersten Zwischenstopp auf der Reise gestaltete sich etwas beschwerlich, da weder die Klimaanlage noch die Lüftung unseres Autos richtig funktionierten. Obwohl es zum Glück nicht heiß war, kamen wir alle ziemlich verschwitzt und erschöpft an unserem Ziel, einem freundlichen Hundehotel in Meck-Pom, an. Unsere Menschen wollten möglichst schnell auf unser Zimmer, doch Carlos hatte mal wieder Muffe vor den Treppen und auch ich gab mich ob der ungewohnten Umgebung etwas hysterisch und bellte laut im Treppenhaus. Direkt am Hotel gab es eine große Hundewiese und dort entdeckte Carlos einen großen Treibball. Da hielt ihn nichts mehr. Wie ein Wilder trieb er den Ball vor sich her und war voll in Ekstase. Die Menschen und ich mussten immer auf der Hut sein, damit uns der Bub mit seinem Monster-Spielzeug nicht über den Haufen rannte. Am Tag darauf legten wir eine Reisepause ein. Es war ziemlich schwül und die Klimaanlage unseres Autos funktionierte wie von Geisterhand wieder. Nachmittags ging es erneut auf die Hundewiese. Carlos schnappte sich seinen gelben Treibball und los ging die verrückte Sause. Ich schaute mir das Treiben eine Weile an und schnappte mir dann, eher gelangweilt, auch einen dieser großen Bälle. Und tatsächlich, das machte Riesenspaß und so sausten schließlich zwei Schäferhunde mit ihren Treibbällen bis zur vollständigen Erschöpfung über die Wiese.
Am nächsten Morgen ging es weiter und nach einer langen Fahrt erreichten wir gegen Abend endlich unser Ferienhaus. Das kannte ich noch nicht. Es lag in der Provinz Blekinge und hatte ein großes Grundstück. Zunächst wurde aber das Haus näher inspiziert. Das große Schlafzimmer lag im Obergeschoß und Carlos traute sich mal wieder nicht die Treppe hinauf. Zugegeben, die war etwas steil, aber das sollte für einen jungen Vierbeiner doch kein Problem sein. Unsere Menschen entschieden sich schließlich für das kleinere Schlafzimmer unten, wo für uns Hunde allerdings nicht genug Platz war. Ich sicherte mir gleich mein Plätzchen und Carlos musste den ganzen Urlaub über im Gang nächtigen. Geschah im ganz recht, dem Angsthasen.
Als Nächstes erkundeten wir die riesige Holzterrasse, die rund um das Haus lief. Und dort entdeckte Carlos drei Pferde, die auf einer Koppel auf dem Nachbargrundstück friedlich unter einer Baumgruppe standen. Wie elektrisiert schoss unser Bub an den Zaun und wollte die Pferde verbellen. Doch die ließen sich durch das Gekläffe nicht aus der Ruhe bringen und nach einigen Minuten stand Carlos ziemlich sprachlos da. Die Pferde blieben für ihn aber das Highlight, sodass er in den kommenden Tagen viel Zeit am Zaun verbrachte und jede ihrer Bewegungen gebannt verfolgte.
In diesem Urlaub erkundeten wir viele Naturreservate in der Umgebung, wobei unsere Menschen bei ihrer Planung immer darauf achteten, dass Wasser in der Nähe war. Entweder die Ostsee oder einer der vielen Seen. Unser erster Ausflug führte uns ins Naturreservat Gö, wo wir einen See mit einer Hundebadestelle fanden. Da hielt uns Hunde nichts mehr zurück und wir hüpften begeistert ins Wasser. Der Uferbereich war sehr seicht, sodass ich mehr Wassertreten als Schwimmen musste, um mein Balli zu holen. Für unseren Nichtschwimmer Carlos dagegen war das ideal. Er sauste wie ein Verrückter durch das seichte Nass und hatte voll seinen Spaß. Doch einmal warf Herrchen sein Balli zu weit hinaus. Das brachte den Bub zu Verzweiflung, denn Schwimmen konnte (besser: wollte) er ja nicht. Also musste ich ran. Mit meinem Balli im Maul schwamm ich zu dem anderen Ball und nahm den kurzerhand auch ins Maul. So bepackt schwamm ich cool zurück ans Ufer. Diese Aktion brachte mir einmal mehr Lobeshymnen von unseren Menschen ein.
Auf einer anderen Tour entdeckten wir einen tollen kleinen See mit Badestelle mitten im Wald. Hier konnte ich herrlich schwimmen und meinem Balli hinterherjagen. Carlos vergnügte sich derweil im seichten Wasser oder versuchte vom Bootssteg aus sein Balli aus dem Wasser zu angeln. Einmal verlor er dabei das Gleichgewicht, sodass er sich nicht mehr auf dem klitschigen Holzsteg halten konnte und ins “tiefe” Wasser fiel. Er tauchte mit dem Kopf voll unter Wasser und schwamm dann heftig strampelnd zurück ans Ufer. Na also, der Bub konnte doch schwimmen, aber das schnallte er auch weiterhin nicht.
Am Ferienhaus gab es jeden Morgen Frühsport für uns Hunde. Dabei powerten wir uns komplett aus und nach dem Frühstück war erst einmal Relaxen angesagt. Viel Spaß hatten wir auch beim Würstchenspiel. Suchspiele sind ja absolut mein Ding und so durchstreifte ich die Wiese immer so lange, bis ich auch das letzte Würstchenstück gefunden hatte. Carlos legte ebenfalls eine erstaunliche Geduld an den Tag, was ich von Rüden gar nicht gewohnt war. Merlin war dieses Spiel meist zu öde, sodass er schon nach kurzer Zeit aufgab. Nach ein paar Tagen im Ferienhaus stand ein Desensibilisierungs-Training für Carlos auf dem Programm. Er bekam sein Geschirr angezogen und wurde von Herrchen vorsichtig die steile Treppe hinauf ins Obergeschoss geführt. Da fühlte sich der ängstliche Bub gar nicht wohl. Als er aber schließlich den “Gipfel” erklommen hatte, war der mächtig stolz und schoss anschließend mehrmals die Treppe hoch und runter. Ich konnte über diese Angeberei nur still lächeln.
Bei einer Wanderung im Naturreservat Stilleryd durften wir Hunde meist frei laufen. Sobald wir ans Wasser kamen, war Toben angesagt. Vor allem der Bub war an diesem Tag voll gut drauf und gab den “wilden Carlos”. Ohne Unterlass rannte er die Schärenfelsen auf und ab. Dabei stürmte er einmal voll auf mich zu, was ich alles andere als toll fand. Als ich ihn daraufhin rüde zurechtwies, fiel er vor Schreck voll hin. Leider fing es dann bald zu regnen an. Außer ein paar dürren Bäumchen gab es für uns keinen Schutz, sodass wir klitschnass wurden. Das gefiel Carlos und mir gar nicht, denn Schäferhunde sind nunmal keine Regenhunde. Also brachen wir die Tour ab und verzogen uns nach Hause.
Unsere längste Tour führte uns ins Naturreservat Käringahejan. Zunächst ging es auf einem ehemaligen Bahndamm am Fluss Mörrumsån entlang. Nach gefühlt endlosen Kilometern kamen wir zu einer Brücke, wo Carlos und ich uns im Fluss erfrischen konnten. Zurück wollten wir auf der anderen Seite des Flusses. Doch nach einer Weile wurde der schmale Pfad immer unübersichtlicher und schließlich versperrten uns große Baumstämme den Weg. Also hieß es umkehren und über den Weg auf dem Bahndamm zurück zum Parkplatz. Das zog sich und am Ende waren wir vier hundemüde. Von meinen Menschen bekam ich ein dickes Lob, dass ich mich mit meinen neun Jahren so gut gehalten hatte.
Ein Highlight war die Wanderung im Naturreservat Agnäs am See Åssunden. Unser Ziel war ein großer Schärenfelsen, die man Agnäs Udde nannte. Auf schmalen und mit Wurzeln durchsetzten Pfaden durch dichten Wald balgten wir Hunde uns die ganze Zeit um die Führung. Wer von uns jeweils hinten war, zog wie blöd an der Leine, was unsere Menschen des Öfteren fluchen ließ. Agnäs Udde war dann genial. Auf dem Schärenfelsen konnten wir Hunde herrlich schnüffeln und toben. Und dann gab es da noch den See Åsunden, der zum Baden einlud. Nach den ganzen sportlichen Aktivitäten schoben wir Hunde natürlich mächtig Kohldampf. Zum Glück hatten unsere Menschen ein Lunchpaket für uns dabei. Davon wurde ich aber nicht satt. So baute ich mich vor Frauchen auf und setzte sie so lange unter Psychostress, bis sie mir etwas von ihrem leckeren Sandwich abgab.
Nach zwei wunderschönen Wochen hieß es dann leider schon wieder Kofferpacken. Carlos und ich haben den Schwedenurlaub in vollen Zügen genossen und auch unsere Menschen schienen sich gut erholt zu haben. Das Pippi-Langstrumpf-Land ist doch immer wieder eine Reise wert.