Ein “Spanier” zieht bei uns ein

 

Carlos von Regina Pacis

 
 

von Njoy von den Querulanten


Der April 2022 war ein trauriger Monat. Unser Rüde Merlin hatte den Kampf gegen seine schwere Erkrankung verloren und war auf die Himmelswiese gerufen worden. Viele Wochen waren meine Menschen tieftraurig und erschöpft. Auch mir fehlte der Bub, an dessen Seite ich fast fünf Jahre gewesen war. Ob wieder ein Schäferhund bei uns einziehen würde? Diese Frage konnten und wollten meine Menschen fürs Erste nicht beantworten.

Um auf andere Gedanken zu kommen, fuhren wir im Mai in die Holsteinische Schweiz in Urlaub. In diesen zwei Wochen hatte ich meine Menschen ganz für mich alleine und ich genoss die Zeit als Prinzessin. Obwohl meine Menschen vereinbart hatten, dass man sich Zeit lassen wolle, machten sich beide unabhängig voneinander doch auf die Suche nach einem Nachfolger für Merlin. Frauchen entdeckte einen Schäferhund in einem nahegelegenen Tierheim, der aber aufgrund einer langwierigen Infektion aktuell nicht zu vermitteln war. Herrchen stieß seinerseits in einem Onlineportal auf einen jungen Schäferhund, den seine Familie abgeben wollte, da sie ins Ausland ging.

Nach dem Urlaub besuchten meine Menschen den Schäferhund, der im Tierheim saß. Frauchen war sehr angetan von ihm, während Herrchen nicht so überzeugt war. Er hätte sich gerne den jungen Rüden einmal näher angeschaut. So vergingen die Wochen, ohne dass sich etwas Entscheidendes tat.

Schließlich ließ sich Frauchen überreden, den jungen Schäfi zu besuchen. Also fuhren wir eines sonntags Ende Juni in das nicht weit entfernte Taubertal. Ich durfte natürlich mit, hatte ich doch ein gewichtiges Wörtchen bei der Auswahl mitzureden. Wir trafen den Rüden zusammen mit seiner Familie auf einer großen Wiese nahe der Tauber. Die erste Begegnung verlief stürmisch. Der junge Kerl konnte sich vor Aufregung kaum einkriegen und sprang wie ein Wilder auf und ab. Und auch ich war ziemlich aufgeregt und bellte wild los. Aber bereits nach fünf Minuten legte sich der Sturm und wir beide spielten friedlich zusammen auf der Wiese. Der Schäferhund jagte seinem Frisbee nach und ich meinem Balli. Die Menschen schienen sich auch gut zu verstehen. Nach einer halben Stunde waren wir ausgepowert und legten uns im Schatten einiger Bäume ab. Es war sehr heiß und so hechelten wir beide um die Wette. Dann schnappte ich mir unvermittelt seinen Frisbee und der junge Rüde versuchte verzweifelt ihn wiederzubekommen. Doch ich gab ihn nicht her und er akzeptierte das schließlich frustriert aber klaglos. Nachdem wir uns ausgeruht hatten, gab es eine weitere Spielrunde und ich erfrischte mich anschließend noch in der kühlen Tauber. Dann ging es zurück zum Auto und wir verabschiedeten uns voneinander.

Auf der Heimfahrt machten wir eine Mittagspause und hielten Kriegsrat. Meinen Menschen hatte der junge Rüde schon gefallen. Er hieß übrigens Carlos von Regina Pacis und war knapp zwei Jahre alt. Auch ich stand dem Jungspund generell positiv gegenüber, da er mich als Chefin schnell akzeptiert hatte und Ballspielen bei ihm wohl auch ganz oben auf der Hitliste stand. Das Problem war nur, da wir den Carlos gleich hätten einpacken müssen, da seine Familie bereits ein paar Tage später ins Ausland gehen wollte. Und das ging meinen Menschen einfach zu schnell. Ich konnte das verstehen, hatten sie dies doch mit mir so gemacht. An einem Tag kennengelernt, am nächsten eingepackt. Also sozusagen “die Katze im Sack gekauft”.

So landete der arme Carlos schließlich erst einmal im Tierheim. Doch schon bald darauf riefen meine Menschen dort an und bekundeten ihr Interesse an ihm. Nur wenige Tage später waren wir im Tierheim und drehten mit ihm eine Gassirunde, um ihn besser kennenzulernen. Anfangs war Carlos wieder total aufgeregt und hippelte wild herum. Doch nach einer Weile beruhigte er sich und wir konnten eine einigermaßen gesittete Runde drehen. Nur zwei Tage später besuchten wir ihn erneut und kurz darauf kam die Vorsitzende des Tierschutzvereins zu uns nach Hause. Die Menschen unterhielten sich lange miteinander und danach sahen meine Menschen irgendwie glücklich aus. Das sei eine Vorkontrolle gewesen, die sicherstellen sollte, dass der Carlos ein gutes Zuhause fände, erklärte mir Herrchen später.

Nun war alles in trockenen Tüchern und der Carlos konnte bald bei uns einziehen. Ein bisschen musste er sich aber noch gedulden, bis es soweit war. In dieser Zeit besuchten wir ihn noch ein paar Mal und am 1. August war es endlich soweit. Carlos zog bei uns ein. Aufgeregt untersuchte er alles und flitzte durch Wohnung und Garten. Nach einer Weile wurde er ruhiger und man hatte den Eindruck, dass es ihm bei uns zu gefallen schien. Etwas später standen wir vor unserem ersten Problem. Carlos traute sich nicht ins Obergeschoss, vor der Treppe hatte er einen Heidenrespekt. Herrchen legte Leckerli auf die Stufen und der junge Kerl nahm immer wieder Anlauf, traute sich aber über die ersten paar Stufen nicht hinaus. Frauchen und ich schauten dem Spektakel von oben zu. Nach einer Weile wurde es mir zu bunt, ich schoss die Treppe hinab und holte mir die Leckerli. Na ja, irgendwann hat es dann doch noch geklappt und der Bub “eroberte” den ersten Stock. Abends dann ein weiteres Problem. Carlos wollte nicht zum Rudel ins Schlafzimmer. Also stellten ihm meine Menschen sein Hundebett auf die Terrasse und er sprang sichtlich zufrieden hinein. Wir saßen oder lagen dann alle eine Weile draußen. Schließlich beschlossen meine Menschen und ich schlafen zu gehen. Da sprang Carlos schnell auf und folgte uns. Alleine wollte er in dem noch fremden Zuhause dann doch nicht bleiben.

Carlos hat sich schnell ins Rudel eingelebt. Wir beide bilden eine gute Kombi. Zwar ist Federballspielen out, aber dafür jagen wir jetzt dem Balli hinterher. Das macht auch total Spaß. In der Zwischenzeit haben wir seine alte Familie auch schon ein paar Mal wiedergetroffen, als sie zu Besuch in Deutschland waren. Carlos kennt sein erstes Herrchen noch gut und spielt immer begeistert mit ihm Frisbee.

Kleiner Funfact zum Schluss: Wir sind beide Oktober-Kinder, aber Carlos hat einen Tag nach mir Geburtstag. Ich habe also im Rudel die Nase vorn, so wie es sich auch gehört als Chefin.


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Mach´s gut, geliebter Merlin