Kann das gut gehen?
von Merlin vom Hammelsbacher Hof
Anfang September 2017 sollte es wieder nach Schweden gehen. Da Roxette nicht mehr bei uns war, sollte nun die «Neue» mitkommen. Njoy war erst kurz bei uns und bisweilen ziemlich hysterisch, sodass sich das gesamte Rudel fragte, ob das wohl gut gehen würde?
Als wir im Frühling in Schweden waren, war Roxette, obwohl schon über elf Jahre alt, noch total fit und genoss jeden Urlaubstag in vollen Zügen. Da war für meine Menschen klar, dass es im Sommerurlaub wieder dorthin gehen sollte. Das Schäfimädchen sollte einfach noch einmal das Schwimmen, Buddeln und Wandern genießen können. Aber Roxette wurde bald schwer krank und verstarb Anfang August. Schneller als gedacht zog dann die Njoy bei uns ein, die uns also jetzt in den Urlaub begleiten sollte. Ich habe euch ja hier schon erzählt, wie meine Menschen das Mädchen kennenlernten und dann zu sich nahmen. Eigentlich wollten sie meine Menschen erst nach dem Urlaub adoptieren. Aber es musste schnell gehen mit einem neuen Zuhause, also wurde das Schäfimädchen gleich eingepackt.
Vor der langen Fahrt nach Schweden hatten wir alle etwas Bammel. Njoy war noch keine zwei Wochen bei uns und zeigte sich in dieser Zeit mitunter sehr hysterisch. Kein Wunder, hatte sie doch ihr gewohntes Zuhause ganz plötzlich verloren und musste nun in einem neuen Rudel klarkommen. Nach einem stressigen Tag mit Sachen zusammensuchen und Packen ging es dann in aller Frühe los. Vor uns stand eine Fahrt von acht bis zehn Stunden. Und die Njoy? Die gab während der ganzen Reise keinen Mucks von sich, auch nicht als wir bei Hamburg in einen Stau gerieten. Sie verhielt sich brav, ganz so, als wäre sie schon viele Male mit uns in Urlaub gefahren. Auch die Nacht im Hotel nahe Fehmarn brachte sie nicht aus der Ruhe. Dafür gab es ein ganz dickes Lob vom gesamten Rudel. Die Fahrt durch Dänemark und Schweden am nächsten Tag verlief ebenfalls ruhig.
Gegen Abend erreichten wir unser Reiseziel, das geniale Ferienhaus in Fredön, das ganz nah am Wasser lag und wo wir schon zweimal waren. Dort angekommen, hüpfte Njoy aus dem Auto und erkundete vorsichtig erst das Grundstück und dann das Ferienhaus. Es dauerte dann auch nicht nicht lange, bis sie anzukommen schien. Sie suchte sich im Wohnzimmer ein gemütliches Plätzchen nahe bei den Menschen und legte ganz zufrieden ein Schläfchen ein. Das ging ja bisher besser als gedacht und meine Menschen schlossen die Njoy dann auch schnell in ihr Herz. Und auch ich war sehr zufrieden mit der neuen Partnerin.
In den ersten Tagen regnete es viel, aber in den Regenpausen ging es immer sofort raus, sodass Njoy und ich nach Herzenslust auf dem Grundstück herumtoben konnten. Das Schäfimädchen lebte sich erstaunlich schnell im neuen Rudel ein und genoss fortan den Urlaub in vollen Zügen. Als mittlerweile versierter Schwimmer drehte ich täglich meine Runden im Marsviken, einem Seitenarm der Ostsee. Njoy war da anfangs vorsichtiger, aber nach ein paar Tagen war auch sie eine richtige Wasserratte. Zudem stand sie voll auf Balli-aus-dem-Wasser-holen, was Herrchen besonders glücklich machte. Ich finde dieses Spiel ja eher langweilig.
Roxette machte sich nie viel aus Federballspielen und Sandhüpfen. Sie war immer nur dabei, um mich zu kontrollieren. Ganz anders tickte da die Njoy. Sie fand sofort Gefallen an meinen Lieblingssportarten und war nach kurzer Zeit voll dabei. Das fand ich prima, hatte ich doch damit jetzt eine Spielpartnerin. Beim Federball überließ sie mir immer den ersten Ball, der zweite gehörte dann ihr. Beim Sandfangen haben wir uns ebenfalls meist ideal ergänzt, auch wenn es schon ab und zu Zoff gab.
Natürlich haben wir auch wieder Wanderungen unternommen. Eine ging ins Naturreservat Femöre. Der Wanderweg führte über eine Kuhweide, die mit einem Elektrozaun gesichert war. Um weiterzukommen, mussten wir über eine kleine Leiter klettern. Njoy überwand das Hindernis ohne Probleme, während ich mich nicht auf dieses Ding traute und mühevoll unter dem Zaun durchgeschoben werden musste. Auf der anderen Seite der Weide begann das Spiel von Neuem. Dieses Mal wollte auch Njoy nicht. Als Frauchen versuchte, sie unter dem Elektrozaun durchzuschieben, bekamen beide einen Stromschlag ab. Njoy heulte laut auf und geriet in Panik. Nur ein beherztes Halt-Kommando von Herrchen verhinderte, dass sie davonrannte. Da hatten wir noch einmal Glück gehabt. Nicht auszudenken, wenn uns das Mädchen ausgebüxt wäre.
Und dann stand auch wieder das Naturreservat Stendörren auf dem Programm. Mir schwante im Vorfeld schon Böses. Ja natürlich, wir mussten wieder über diese blöde Hängebrücke gehen, wo man unten das Wasser durchschimmern sah. Es half nichts, ich tastete mich widerwillig und langsamen Schrittes über dieses schaukelnde Etwas, das unten den Blick auf den Hades freigab. Drüben auf der Schäre ging es mir besser und ich schwamm gut gelaunt ein paar Runden in der Ostsee. Njoy dagegen war das alles nicht geheuer. Sie war auf der ganzen Schären-Wanderung hippelig wie Zebulon und wollte auch nicht schwimmen.
In der zweiten Woche besserte sich das Wetter. An jedem Morgen warteten Njoy und ich ungeduldig darauf, dass Herrchen endlich mit dem Frühstück fertig wurde. Dann gab es nämlich Frühsport für uns am Strand, zuerst Federball und dann Sandfangen. Bei Roxette und mir ging es dabei immer eher ruhig zu, mit Njoy dagegen wurde es ziemlich laut. Jede Aktion begleitete sie mit lautem Bellen und Gequietsche. Daran musste man sich erst einmal gewöhnen.
Nach Frühstück und etwas Chillen ging die Action weiter. Herrchen warf Njoy ihr Balli ins Wasser und das Mädchen schwamm pfeilschnell hinaus, um das Balli zu holen. Schnell entwickelte sie einen richtigen Ehrgeiz und wollte gar nicht mehr aufhören. Typisch Schäferhund der Leistungslinie, die immer ihren Job machen wollen. Ich schwamm da lieber meine Runde um die großen Bootssteg. Anfangs ging es wie von alleine, doch auf dem Rückweg musste ich mich ganz schön anstrengen, um wieder ans Ufer zu kommen. Da wäre der Strömung geschuldet, hat mir Herrchen erklärt. So ganz habe ich das nicht kapiert.
Toll war auch das tägliche Würstchen-Suchspiel. Njoy war auch dabei total ehrgeizig und schnüffelte gefühlt eine Ewigkeit mit ihrer Nase den Boden ab. Mir wurde das schnell zu langweilig, an Leckerli kommt man auch wesentlich einfacher ran. Abends gab es meist noch eine Gassirunde durch die Ferienhaussiedlung, die unsere Menschen Fredönrunde nannten.
Auch diese drei wunderschönen Wochen waren wieder viel zu schnell vorbei. Njoy hat sich während des Urlaubs gut im Rudel eingelebt. Unsere Sorgen im Vorfeld waren also komplett unbegründet. Ich bin froh, wieder eine Hundekumpanin an meiner Seite zu haben. Wir wurden in Schweden zu einem guten Team, auch wenn ihre Eifersucht und hysterischen Anfälle schon nerven können. Aber wenn wir dann zusammen Federball spielen oder Sandhüpfen, ist die Welt für mich schnell wieder in Ordnung.