Ein Schäferhund im Ruderboot
von Njoy von den Querulanten
Anfang August 2019 sprachen unsere Menschen über Urlaub und dabei fiel der Name Fredön. Fredön? Da klingelte es bei mir. War das nicht das geniale Grundstück direkt am Wasser in Schweden? Da war ich nämlich schon mit unseren Menschen und dem Merlin, kurz nachdem ich zu ihnen gezogen war.
Ein paar Wochen später wurde es eines Tages hektisch. Unsere Menschen wuselten im Haus herum, schleppten Sachen scheinbar planlos hin und her und wir Hunde mussten aufpassen, dass man nicht von ihnen über den Haufen gerannt wurde. Dann ging es auch schon los. Die lange Fahrt durch Deutschland war für die Menschen nervig, viele Baustellen auf der Strecke und dazu noch Stau. Hundemüde erreichten wir abends unseren Zwischenstopp und am nächsten Morgen ging es früh wieder los. Die Stimmung unserer Menschen wurde ab Mittag immer entspannter, denn wir fuhren durch Schweden. Am Nachmittag, das Ziel war nicht mehr weit, begannen sie plötzlich zu fluchen. Stau auf der Autobahn bei Linköping. Das hatten sie vorher in Schweden so gut wie nie erlebt. Alle waren von der Fahrt schon ziemlich geschafft und eine Weile ging es nur im Schneckentempo vorwärts.
Gegen Abend erreichten wir endlich unser Urlaubsziel bei Nyköping. Und ich lag goldrichtig mit meiner Ahnung. Als die Kofferraumklappe aufging, sprangen Merlin und ich mit einem Satz aus dem Auto, rannten dabei Herrchen fast über den Haufen und sausten vorbei am blauen Ferienhaus direkt zum Sandstrand. Ja, wir kannten uns hier noch bestens aus. Merlin fing gleich zum Buddeln an und nahm dann entspannt ein Bad im Marsviken, einem Seitenarm der Ostsee. Obwohl hundemüde, erbarmte sich Herrchen noch und machte Abendsport mit uns. Natürlich das beliebte Sandfangen. Merlin jauchzte vor Freude, bellte zwischendrin und auch ich war voll dabei. Danach hatten sich unsere Menschen den Prosecco auf der Terrasse redlich verdient und wir Hunde hatten auch unsere Action.
Der erste Tag in Fredön empfing uns mit regnerischem Wetter. Mir ging es gar nicht gut, denn ich hatte ein Aua an der Hinterpfote und war den ganzen Tag über ziemlich lethargisch. Als unsere Menschen abends einkaufen wollten, ging es mir plötzlich wieder besser und ich hüpfte problemlos ins Auto. Da waren sie schon etwas erstaunt, aber auch glücklich, dass ich wieder fit war.
Dann kam der Sommer zurück und wir genossen die Annehmlichkeiten am Ferienhaus in vollen Zügen. Vormittags standen Merlin und ich schon aufgeregt vor unseren Menschen, die sich im Urlaub gefühlt immer ewig mit dem Frühstück Zeit ließen. Irgendwann war endlich der Frühsport an der Reihe. Herrchen musste nur dieses Wort sagen und wir sausten zum Strand. Los ging es mit dem beliebten Sandfangen, bei dem Merlin und ich wahre Luftsprünge vollführten. Danach drehte Merlin seine Runde in der Ostsee und Herrchen warf für mich mein geliebtes Balli ins Wasser. Irgendwann waren wir ziemlich platt und nach dem Frühstück konnten wir erst einmal relaxen.
Frauchen ging in diesem Urlaub häufig schwimmen. Der treue Mama-Hund Merlin rannte dann auch zum Wasser und schwamm Seite an Seite mit ihr. Einmal ist er sogar vom Schärenfelsen ins Wasser gerutscht, um mit seinem Frauchen zu schwimmen. Ich habe mich ab und zu auch angeschlossen, aber das Rudelschwimmen wurde mir dann doch schnell langweilig. Da spielte ich lieber mit Herrchen Balli-aus-dem-Wasser-holen. Dabei fuhr mir der blöde Merlin allerdings häufiger in die Parade. Ich wollte mein Balli holen, als der Bub plötzlich im Wasser Vollgas gab und es mir vor der Nase wegschnappte. Ich schaute dann immer ganz verzweifelt Herrchen an, der aber nur mit den Schultern zuckte und lächelte.
Nach ein paar Tagen entdeckten unsere Menschen wieder das kleine Boot, das im Schilf lag, und ruderten abwechselnd hinaus auf den Marsviken. Merlin kannte das ja schon und blieb ganz entspannt auf dem Bootssteg liegen. Ich dagegen war sehr aufgeregt und wollte alles genau im Blick behalten. Da bin ich wie meine Vorgängerin Roxette. Wir Schäfimädchen müssen uns einfach darum kümmern, dass das Rudel zusammenbleibt und keiner verloren geht.
Dann geschah etwas Unglaubliches. Schon in den Urlauben zuvor in Fredön versuchten unsere Menschen immer wieder, uns Hunde auf das Ruderboot zu locken. Doch Roxette, Merlin und ich schüttelten da nur energisch mit dem Kopf. Ich sagte auch dieses Mal gleich sehr bestimmt nein und der Merlin zeigte ebenfalls keine Anstalten, sich darauf einzulassen. Doch unsere Menschen ließen nicht locker und schließlich hüpfte der Bub zu meinem großen Erstaunen ins Boot. Freudestrahlend ruderte Frauchen mit ihm hinaus auf den Marsviken, während ich das Ganze nur ungläubig vom Ufer aus verfolgte und mir vor Aufregung dabei sogar das Balli aus dem Maul fiel. Immer wieder sah ich Herrchen an, doch der war ganz entzückt. Merlin saß aufrecht im Boot und wirkte ziemlich angespannt. Ganz geheuer war ihm die Sache also nicht. Aber Frauchen brachte ihn schließlich heil zurück und erleichtert sprang der Bub aus dem Kahn. Natürlich sollte ich dann auch noch mit, wo doch der Bub schon so mutig gewesen war. Aber nein, keine zehn Pferde brachten mich auf das Schaluppe.
Mittags machten es sich unsere Menschen immer im Garten ganz nah am Wasser gemütlich und speisten in bester Urlaubslaune die leckersten Sachen. Da wir Hunde auch etwas abhaben wollten, setzen wir die beiden in einer konzertierten Aktion unter Druck, indem wir uns ganz nah zu ihnen hinsetzten und laut hechelten. Das verfehlte seine Wirkung nicht und bald konnten wir uns über Knäckebrot, Würstchen und Käse freuen. So ließ es sich leben, wie Gott in Schweden halt.
Ausflüge haben wir kaum unternommen. Am Ferienhaus war es einfach zu schön und man konnte so viele tolle Sachen machen. Besonders gut drauf war der Merlin-Bub, wenn Frauchen mit ihm Wasserspritzeln machte. Dann bellte er vor lauter Freude und konnte sich kaum noch einkriegen.
Viel zu schnell ging es dann wieder ans Packen. Auf der Rückfahrt schauten Merlin und ich uns traurig an, bald würde uns also der Alltag wieder haben. Doch wir täuschten uns. Nach der Fährfahrt ging es nicht schnurstracks nach Süden, sondern nach einem Schlenker gen Westen standen wir gegen Abend vor einem anderen Ferienhaus mit einem großen Garten in der Nähe von Lütjenburg. Während die Menschen draußen Sekt tranken, erkundeten wir Hunde das weitläufige Terrain.
Am nächsten Tag nahmen wir nahtlos unsere Sportaktivitäten wieder auf, nur das Wasser am Grundstück fehlte, was ein kleiner Wermutstropfen war. Dann brach der Federball-Notstand aus. Merlin und ich schredderten regelmäßig die Federbälle und zu allem Überfluss schnappte sich der Bub nach einem Spiel den letzten Schläger und zerlegte ihn komplett. Unsere Menschen mussten also in die Stadt. Blöderweise schien die Federballsaison zu Ende zu sein, sodass sie nur Notkäufe tätigen konnten.
Wasser gab es dann auch noch, als unsere Menschen mit uns zu einem nahe gelegenen Strand fuhren. Beim ersten Mal begrüßte uns die Ostsee mit hohen Wellen, sodass ich mit Schwimmen eher vorsichtig war. Beim zweiten Besuch zeigte sich das Meer dann von seiner ruhigen Seite und ich konnte wieder herrlich schwimmen und mein Balli aus dem Wasser holen. Sandhüpfen war am Strand natürlich auch wieder drin, wo Merlin und ich ein wahres Ballet aufführten.
Nach einer Woche brach dann unwiderruflich der letzte Urlaubstag an und beim Abendsport war nur noch Federball-Schredder übrig, um den wir uns beim Spielen balgten. Auf der Heimfahrt dachten Merlin und ich sehnsüchtig an die vielen tollen Erlebnisse und hofften, dass es bald wieder nach Schweden gehen würde.