von Njoy von den Querulanten
Merlin hat ja hier schon berichtet, wie ich quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bei meinen heutigen Menschen gelandet bin. Heute möchte ich diese Geschichte aus meiner Sicht erzählen.
Zwei Jahre lebte ich glücklich bei einer Familie im Hunsrück. Meine Menschen sorgten liebevoll für mich, brachten mir viel bei und unternahmen spannende Sachen mit mir. Ich fühlte mich wohl und behütet und ging so langsam auf meinen dritten Geburtstag zu. Im Sommer 2017 begann sich alles zu verändern. Die Stimmung bei meinen Menschen war angespannt und eines Tages kam Frauchen nicht mehr nach Hause. Herrchen kümmerte sich weiterhin fürsorglich um mich, doch ich spürte, dass er sehr deprimiert war.
Eines Tages im August brachen wir wie gewöhnlich zu unserer täglichen Abendrunde auf. Wir liefen über die wohlbekannten grünen Wiesen in der Nähe unseres Heimatdorfes. Es war ein lauer Sommerabend und ich ließ mir viel Zeit beim Schnüffeln nach spannenden Gerüchen. Alles schien wie immer, doch ich spürte bei Herrchen eine große Unruhe.
Plötzlich tauchten hinter uns zwei Menschen mit einem Schäferhund auf. Normalerweise begegneten wir hier sonst niemandem. Mit der Zeit kamen sie immer näher und als sie dicht zu uns aufschlossen, fing ich laut an zu bellen und zog wild an der Leine. Doch das hielt die fremden Menschen nicht davon ab, weiter auf uns zuzuhalten. Und dann waren sie plötzlich neben uns. Ich bellte weiterhin wie eine Verrückte, während der andere Hund keinen Mucks von sich gab, sondern mich nur interessiert beschnüffelte. Ich wusste nicht, was das alles sollte und war nach wie vor mega aufgeregt. Zu fünft setzt wir die Runde fort. Die Menschen unterhielten sich, der Schäferhund, übrigens ein Rüde, trottete vor sich hin und ich kam langsam etwas herunter. Wohl war mir aber nicht. Nach einer Weile erreichten wir wieder unser Auto und ich sprang erleichtert hinein. Auf der Heimfahrt sah ich, dass uns das Auto mit den fremden Menschen folgte.
Kaum daheim angekommen, klingelte es. Es waren wieder die Menschen und ihr Hund war auch dabei. Wir ließen uns im Wohnzimmer nieder und die Menschen begannen erneut sich zu unterhalten. Ich wusste nicht, was das alles sollte, und fing wieder an hysterisch zu werden. Herrchen redete lange auf mich ein, doch ich fand keine Ruhe. Der Rüde schaute sich die ganze Sache entspannt an und knackte irgendwann weg. Die Menschen redeten bis spät in die Nacht und irgendwann war auch ich so erschöpft, dass ich Ruhe gab. Dann endlich gingen sie.
Am nächsten Morgen fragte ich mich noch immer, was die gestrige Begegnung sollte. Es war noch früher Vormittag, als die Menschen mit ihrem Hund wieder vor der Tür standen. Kurz darauf ging es auf eine ausgedehnte Gassirunde zur Ehrbachklamm. Langsam begann ich mich an die neuen Begleiter zu gewöhnen und wurde ruhiger. Im Verlauf der Runde führten mich abwechselnd die neuen Menschen, worüber ich mich etwas wunderte.
Wieder daheim, ging es in den Garten. Ein wenig später erschien Frauchen, setzte sich zu uns, verschwand aber bald wieder. Nach dem Mittagessen durfte ich den fremden Menschen zeigen, was ich alles so drauf habe. Die waren schwer beeindruckt und drehten sogar ein Video, während ich meine Kunststückchen zum Besten gab. Der Schäferhund, der übrigens Merlin hieß, lag derweil entspannt im Gras und betrachtete das Treiben eher gelangweilt.
Am späten Nachmittag verließen uns die Menschen mit ihrem Hund. Das seltsame Treffen schien endlich vorbei zu sein. Doch das war ein Irrtum. Nach einer Weile kamen sie wieder, unterhielten sich etwas angespannt und ich bemerkte plötzlich bei Herrchen eine bedrückte und traurige Stimmung. Dann ging alles ganz schnell. Mein Hab und Gut wurde ins Auto der Fremden geladen, Merlin wurde bedeutet, in den Kofferraum zu springen und ehe ich mich versah, saß ich neben ihm im Auto. Die Kofferraumklappe flog zu, die Menschen verabschiedeten sich und wir fuhren los. Zurück blieb Herrchen, der dem Auto hinterherblickte.
Ich wusste nicht, was da mit mir geschah, und heulte wie eine Wilde los. Merlin sah mich schweigend an, als ich versuchte im Kofferraum einen Veitstanz aufzuführen. Er wusste wohl auch nicht, was da los war. Die Menschen drehten sich mit besorgtem Blick immer wieder zu mir um. Nach kurzer Zeit fuhren wir auf die Autobahn und mit einem Mal wurde ich still. Ich hatte plötzlich das Gefühl, mein bisheriges Zuhause nie mehr wiederzusehen. Doch was würde mich erwarten? Würde ich künftig bei diesen Menschen und ihrem Hund leben? Auf der weiteren Fahrt schossen mir noch tausend Gedanken durch den Kopf und ich wähnte mich auf einer Fahrt ins Ungewisse.
Irgendwann kamen wir an. Aufgeregt sprang ich aus dem Auto und schaute mich in Haus und Garten um. Die Menschen kümmerten sich um mich und redeten mir gut zu, doch ich blieb angespannt und unsicher. Zur Nacht richtete man mir ein gemütliches Plätzchen im Schlafzimmer ein, doch Ruhe fand ich kaum. Ganz anders der Merlin, der entspannt neben mir auf seiner Schlafmatte lag und bald einschlief.
In den folgenden Tagen war ich eine vogelwilde und hysterische Maus. Vor dem Gassigehen führte ich in der Diele jedes Mal einen Veitstanz auf, bis Herrchen sich irgendwann hinsetzte, mich sanft zu sich zog und mich streichelte. Da kam ich ein bisschen runter. Als dann aber die Tür aufging, rannte ich mit lautem Geschrei nach draußen und zog so wild an der Leine, dass man mich kaum halten konnte. Das ging dann auf der Gassirunde so weiter. Einmal wollten die Menschen mit uns Hunden in einen Biergarten gehen. Als ich den ganzen Trubel und noch dazu einige Hunde dort sah, wurde ich wieder furchtbar hysterisch, sodass die Menschen mit knurrendem Magen wieder umkehren mussten.
Nach einiger Zeit fragte ich mich, wie lange die Menschen das wohl noch mitmachen würden. Doch kaum war ich eineinhalb Wochen bei ihnen, sollte es schon in den Urlaub nach Schweden gehen. Nachdem ich mich bisher vor allem von meiner hysterischen Seite gezeigt hatte, fragten sie sich wahrscheinlich, ob das gut gehen würde. Und auch Merlin sah mich manchmal komisch an. Da sagte ich mir, jetzt musst du dich aber einmal zusammenreißen, sonst bleibst du nicht lange hier. Und wieder fort wollte ich auch nicht.
Auf der zweitägigen Fahrt und dem Zwischenstopp in einem Hotel gab ich dann keinen Mucks von mir. Das brachte mir meine ersten Pluspunkte bei Mensch und Hund ein.
Von dem tollen Ferienhaus in Fredön haben ja schon Roxette und Merlin hier im Blog berichtet. Als wir dort ankamen, sprang ich zusammen mit Merlin erleichtert aus dem Auto und erkundete vorsichtig das Terrain. Das Grundstück war unheimlich groß und lag direkt an einem großen Wasser. Herrchen sagte mir später, dass das der Marsviken sei, ein Seitenarm der Ostsee. Einen kleinen Sandstrand gab es auch, zu dem Merlin gleich hinrannte und dort zu buddeln anfing. Auch das Haus sah sehr gemütlich aus. Da konnte ich mich nach den vielen Tagen der Aufregung endlich etwas entspannen. Abends suchte ich mir ein Plätzchen nahe bei meinen neuen Menschen und schlief dann schnell ein.
In den folgenden zwei Wochen nahmen sich unsere Menschen viel Zeit für uns Hunde. Mein neues Herrchen warf mir begeistert mein Balli ins Wasser, dem ich pfeilschnell hinterherschwamm. Durch Merlin lernte ich Federballspielen kennen, das mich sofort begeisterte. Nach einigen Tagen durfte ich schon auf dem Sofa liegen, ganz nah bei Herrchen. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich im neuen Rudel angekommen bin.
Mittlerweile habe ich mich gut im neuen Zuhause eingelebt. Mit Merlin vertrage ich mich meist gut, bin aber schon eifersüchtig, wenn meine Menschen sich zu sehr auf ihn zu konzentrieren scheinen. Meine hysterische Ader kann ich weiterhin nicht ganz ablegen, in ungewohnten Situationen belle ich nach wie vor los und führe mich an der Leine wie eine Wilde auf. Und da sind dann noch Gewitter und Silvester oder auch starker Wind und Regen, die mich schnell kirre machen.
So sind halt die Querulanten-Mädels, aber meine Menschen kommen insgesamt gut mit mir klar. Nun wünsche ich mir nur, dass ich für immer hier bleiben kann.
P.S. Die tollen Bilder der jungen Njoy stammen von Ralf. Lieben Dank dafür.